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  • AutorenbildGSF Immo Team

Baugemeinschaften: Bullerbü im Quartier? Interview mit Gisa Holsten von der GSF Gesellschaft für Immobilienberatung mbH

Im Zuge des demografischen Wandels und dem Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum denken Menschen zunehmend darüber nach, diesen Wunsch innerhalb eines Baugruppenprojekts zu verwirklichen. Soziale und ökologische Ansprüche können individuell erfüllt werden, meist mit dem Ziel auch in das Quartier zu wirken, in dem die Baugemeinschaft wohnen wird.

ELBBLICKMAGAZIN hat mit Gisa Holsten, Leiterin Unternehmensentwicklung der GSF Gesellschaft für Immobilienberatung mbH, kurz GSF Immo, den Realitätscheck gemacht. Die GSF Immo berät und betreut Baugemeinschaften bei der Verwirklichung ihrer Projekte.

ELBBLICKMAGAZIN: Welche Erfahrungen hat die GSF Immo mit Baugemeinschaften gemacht und können diese einen wichtigen Beitrag zum Leben im Quartier leisten?

HOLSTEN: Ich muss zugeben, dass ich Branchenneuling bin. Das Thema, neue Formen des Zusammenlebens zu initiieren und Mikrokosmen in Quartieren zu schaffen, wo ein Miteinander und eine Auswirkung auf Nachbarschaften entsteht, finde ich faszinierend. Meine Kollegen von GSF Immo haben in diesem Bereich bereits jahrzehntelange Erfahrung. Diese zeigt, dass Baugemeinschaften durchaus eine Wirkung haben können, gerade in den ersten Jahren nach der Fertigstellung der Projekte. Es bleibt immer eine Kerngruppe von Personen, die weiterhin intensiv zusammenarbeitet, Kontakt zu Nachbarschaftsinitiativen sucht und zum Beispiel die gebauten Gemeinschaftsräume auch für das Quartier öffnet. Besonders engagiert zeigen sich Kleingenossenschaften, die sich aus ihrer Demokratieform heraus durch Beteiligung ihrer Mitglieder gerne engagieren. Die Baugemeinschaften haben viele Möglichkeiten das Leben im Quartier mitzugestalten.

ELBBLICKMAGAZIN: Ist also alles gut im Baugemeinschafts-Bullerbü?

HOLSTEN: Diese Frage ist mit einem klaren Jein zu beantworten. Die Agentur für Baugemeinschaften der Stadt Hamburg hat Quaestio – Forschung und Beratung GmbH beauftragt, genau zu dieser Frage der Quartierswirkung eine Studie zu erstellen. Über unterschiedliche Befragungsformate von Bewohnern wurde festgestellt, dass innerhalb von Baugemeinschaften, durch vorherige freundschaftliche Beziehungen und Planungsvorbereitungen, Vernetzungen entstehen, aus denen sich allerdings nicht automatisch die gewünschten Vernetzungen in die neue Nachbarschaft ergeben. Ein weiterer Blick auf die Studie macht deutlich, dass sich die Umstände für Baugemeinschaften deutlich verändert haben. Während Baugemeinschaften einmal für besonders nachhaltige bauliche Lösungen standen, wurden auch sie in der Zwischenzeit vom Markt eingeholt. Die steigenden Baukosten lassen „Extravaganzen“ kaum noch zu und exakte Vorgaben der Gebietsentwicklung durch die Stadt schränken die Fantasie zusätzlich ein.

ELBBLICKMAGAZIN: Woher kommt das Bild von Baugemeinschaften, die sich positiv auf die Quartiere auswirken?

HOLSTEN: Das Bild einer Baugemeinschaft ist wohl in den 1980er Jahren durch bewusst gemeinschaftlich organisierte Wohnformen entstanden. Wohngemeinschaften haben Häuser gemeinsam entwickelt, bewohnt und verwaltet. Diese damals absolut innovative Form des Zusammenwohnens strahlt bis heute und hat zur Folge, dass Quartiere entstanden sind, die es in dieser Form vorher nicht gab. Daraus ergibt sich wohl die bis heute bestehende Feststellung, dass Baugemeinschaften in Quartiere wirken.

Charakteristisch für Baugemeinschaften ist das Selbstversorgungsinteresse mit günstigem und sicherem Wohnraum, sowie das Interesse an einem engeren Zusammenleben. Gemeinschaftsflächen bieten eine Erweiterung der individuellen, privaten Wohnfläche und schaffen Orte der Begegnung. Alles Themen, die auch heute eine hohe Relevanz haben.

ELBBLICKMAGAZIN: Da klingt einiges an Realismus zum Thema „Baugemeinschaften“ durch. Also ist diese Wohnform für die Stadt und Interessierte, die etwas im Umfeld und Nachbarschaft bewirken wollen, doch nicht so vorteilhaft?

HOLSTEN: Baugemeinschaften wirken vielleicht nicht immer aktiv in ein Quartier hinein, allerdings hat die Studie u.a. ergeben, dass Baugemeinschaften, die grundsätzlich am engeren Zusammenleben interessiert sind, für das Gemeinwohl sehr offen sind. Dies ist ein wichtiger Ansatz für Soziale Innovationen, auch ins Quartier hinein. Die Idee der Baugemeinschaft ist und bleibt für ihre Mitglieder gerade in der heutigen Zeit eine schöne Möglichkeit, nachhaltig zusammen zu bauen und zu leben, mit individueller Freiheit und sozialer Gemeinschaft in Balance. Obwohl ich erst seit Anfang 2023 dabei bin, verfolge ich die Entwicklung bei drei Baugemeinschaften im Elbinselquartier in Wilhelmsburg, die wir als GSF Immo betreuen, sehr genau. Als Baubetreuerin unterstützen wir die Gruppen u.a. bei ihrer Konzeptfindung und freuen uns, wenn dabei Ideen zum Thema Quartier und Nachbarschaft von den Gruppen mit aufgegriffen werden.

 

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